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Einleitung

In diesem Kapitel setzen wir uns ausführlich mit dem Thema "Die Qual der Wahl - Wirklich?!" auseinander. Es werden die verschiedenen Betriebssysteme und Hersteller von Tablets mit ihren jeweiligen Vor- und Nachteilen beleuchtet und schlussendlich eine Entscheidung getroffen, warum welches Tablet verwendet werden sollte.


Grundgedanken zur Tabletauswahl an Schulen

Schon seit anbeginn der Menschheit versuchten Tüftler und Erfinder Maschinen und Mechanismen zu schaffen, die dem Menschen komplzierte Arbeiten abnahmen und ihm so mehr (Frei-)zeit verschaffen. Angefangen mit einer von einem Ochsen gezogenen Egge, über eine einfache Schleuder, bis hin zu einem mehrere Kellerräume umfassenden Computer. Alle Erfindeungen hatten stets ein gemeinsames Ziel - Zeitersparnis.  

Die Digitalisiserung der Gesellschaft schreitet immer weiter voran. Handy, PC und Tablet finden sich heutzutage in nahezu jedem Industriezweig wieder. Die Wirtschaft hat an nahezu jeder Stelle erkannt, dass der sinnvolle Einsatz von PC und Tablet zu einem enormen Effizienzgewinnn der Arbeit beiträgt. Als 1957 das erste Grafiktablet - Stylator - vorgestellt wurde, hatte noch niemand geahnt, welche Erfolgsgeschichte mit der Vorstellung des Apple - iPad 1 im Jahr 2010 eingeläutet werden sollte. In nichtmal acht Jahren haben es Tablets aller Hersteller geschafft, nahezu jeden Bereich unserers Lebens zu durchdringen und von einem Nischenprodukt zu einem unverzichtbaren Werkzeug zu werden.

ABER

Im Bereich der allgemeinbildenen Schulen in Deutschland setzt man nach wie vor noch auf bewährte, multimediale Werkzeuge (4 Farben Kreide). Die wenigsten Schulen in Deutschland verfügen über ein nachhaltiges Konzept zur Nutzung von digitalen Werkzeugen im Unterricht - und das, obwohl Kernkompetenzen der Mediennutzung zukunftig von nahezu jedem Arbeitgeber gefordert werden.


Der Kurzabriss der Historie zeigt, dass in den Schulen noch immer dringender Handlungsbedarf besteht, Schülerinnen und Schülern nachhaltig die Nutzungsmöglichkeiten und die damit verbundenen Risiken digitaler Medien nahezubringen. Schülerinnen und Schüler müssen lernen, welche Werkzeuge sich am Besten zur Bewältigung, welcher Aufgabenstellung, einsetzen lassen, welche Quellen zu hinterfragen sind und intersubjektive Entscheidungen über den Wahrheitsgehalt von Aussagen des Internets treffen.

Jeder muss ein Bewusstsein dafür erlagen, welche Folgen sein Handeln im Netz nach sich zieht. Insbesondere muss in Kindern ein umfassendes Sicherheitsbewusstsein etabliert und somit ein sicherer Umgang mit dem Internet gelehrt werden.


Leider zeigt die Realität, dass gegenwärtig nur die wenigsten Lehrer selbst über ausreichende Kenntnisse verfügen, um den Kindern einen sicheren Umgang mit Medien und dem Internet zu lernen. Geht man hier davon aus, dass sich dieser Missstand durch manigfaltige Schulungen und ein nachwachsendes, umfassend und ausreichend geschultes, Lehrerkollegium beseitigen lässt, bleibt die Frage nach der Wahl des Lehrmittels, welches für den Unterricht zum Einsatz kommt.

Diese essentielle Frage soll in den kommenden Abschnitten ausführlich betrachtet und beantwortet werden. Doch bevor man sich einfach (vielleicht aus dem Bauch heraus) für ein System entscheidet, sollte man überprüfen, welchen Anforderungen ein Lernmittel gerecht werden sollte, um sich optimal in den bisherigen Kanon der klassischen Lernmittel (Tafel/Stift/Papier) einzugliedern.

Anforderungen

Um für Schulen eine stabile und funktionale Lernumgebung zu etablieren, ist es notwendig, dass die Endgeräte gewisssen Anforderungen unterliegen. In der nachfolgenden Tabelle sind die zu prüfenden Anforderungen spezifiziert und erläutert.

AnforderungErläuterung
Abwärtskompatibiltät der GeräteSind die Geräte mit ihren Vorgängerversionen kompatibel? Wie stark ändert sich das Layout von Version zu Version? Sind die Betriebbsystem-Updates ständig verfügbar? Können neuere Geräte problemlos mit ältern Geräten gemischt werden?
Versorgung mit SicherheitsupdatesWerden regelmäßige Sicherheitsupdates und Patches geliefert? Wie lange werden Patches geliefert? Wer ist für die Erstellung zuständig? 
Unterstützug von Inklusionsschülern (Sehen)Verfügt das Gerät über eingebaute Funktionen wie Lupe, vorlesen, Inhalt sprechen in verschiedenen Geschwindigkeiten und Intonationen
Unterstützung von Inklusionsschülern (Hören)Verfügt das Gerät über Schnittstellen zu Hörgeräten? Lassen sich im Klassenverbund alle Geräte als Mikrofon verwenden? Fallen hierfür Zusatzkosten an?
Verwaltbarkeit der Geräte (Installation / Deinsatllation / Gruppenverwaltung / verlorene Geräte löschen usw.)Lassen sich die Geräte vollkommen automatisiert installieren/ deinstallieren? Wie aufwendig ist die Einrichtung neuer Geräte? Welcher Personalaufwand fällt für die Verwaltung zusätzlich an?
Automatisiertes Updatemanagement für alle PaketeLassen sich Updates zu installierten Anwendungen automatisiert installieren? Auch, wenn der Appstore verboten wird? Lassen sich Betriebssystemupdates automatisiert installieren? In wie weit kann der Nutzer den Updatezeitpunkt bestimmen? Kann man dem Nutzer verbieten, Updates zu installieren?
Kauf von Anwendungen in Klassensätzen + deren VerteilungWie kann man für viele Geräte Anwendungen kaufen, die sie installieren und konfigurieren?
Kauf von Büchern in Klassensätzen und deren VerteilungWie kann man für viele Geräte / Schüler digitale Bücher kaufen und diese verteilen?
Gibt es für Apps und Bücher EDU Lizenzen?Sind Rabatte für EDU Lizenzen verfügbar? Wie hoch sind die Rabatte?
Klassensteuerung verfügbarIst für das System eine Klassensteuerung verfügbar, womit der Lehrer alle Geräte der Schüler steuern kann? Wie ist der Funktionsumfang der Klassensteuerung? Entstehen hierfür Zusatzkosten? Wie ist die Zusammenarbeit zwischen Lehrer und Schüler? Wie werden Dateien, Links oder Bilder verteilt und eingesammelt.
Lassen sich gekaufte Anwendungen von installierten Geräten entfernen und die Lizenzen zurückziehen und neu verteilen?
Sicherheitsstandard der GeräteWelche Sicherheitsstandards sind für die Geräte verfügbar? Sind die Daten verschlüsselt? Welche Daten sind verschlüsselt (Data in Use / Data in Motion / Data at Rest)?
Lizenzstrategie des Betriebssystems (Folgekosten)
Prüfungssicherheit (Einschränkungen auf Gerät setzen)Ist es möglich ein Gerät so einzuschränken, dass es spezifischen Prüfungsanforderungen genügt? Welches Fachwissen ist zum Setzen der Sperre nowendig? Wie aufwendig ist es?
Kosten für Standardprogramme (Textverarbeitung / Tabellenkalkulation / Präsentationsgestaltung)Welche Kosten fallen für Standardanwendungen zusätzlich an?
Administrativer Aufwand für Integration in SchulumgebungWie aufwendig ist es, ein neues Gerät in die Schulumgebung zu bringen? Wie komplex ist dieser Vorgang? Wird tiefes Fachwissen benötigt?
Strategie zum GerätetauschGibt es eine Strategie, wie ein Gerätetausch nach 3-6 Jahren stattfinden kann und wie die Daten der Nutzer dabei berücksichtigt werden?
Administrative Rechte für ElternLassen sich für Eltern volle administrative Rechte einräumen?


Diese Anforderungen stellen einen gewissen Grundstock an notwendigen Anforderungen dar. Hieraus wird zunächt klar, unter welchen Gesichtpunkten man ein Gerät für eine Schule auswählen sollte. Doch neben diesen, mehrheitlich technischen Anforderungen, existieren noch einige, nicht-technische Anforderungen oder Rahmenbedingungen, die beim Einsatz von Tablets in Schulen Berücksichtigung finden sollten.


Rahmenbedingungen / Systeme

Lehr- und Lernmittelfreiheit

Die Lehr- und Lernmittelfreiheit ist in Deutschland ein hohes Gut. Für Thüringen ist die Lernmittelfreiheit ausführlich in der Thüringer Lehr- und Lernmittelverordnung -ThürLLVO- geregelt. Kurzum: Schüler und Lehrer erhalten Materialien, die ausschließlich für den Unterricht benötigt werden, i.d.R. kostenfrei. Darüber hinaus lässt sich über einen Beschluss der jeweils zuständigen Konferenz (Schulkonferenz) festlegen, welches Lehrmittel an der jeweiligen Schule eingesetzt wird.

Die Auswirkungen der Lernmittelfreiheit sind allgegenwärtig: In einem Landkreis bedeutet das beispielsweise, dass 3 benachbarte Grundschulen 3 unterschiedliche Bücher für Mathematik benutzen.

Bring your own Device (BYOD)

BYOD ist ein Konzept, welches sich immer dann eignet, wenn ein Gerät, welches durch einen Mitarbeiter privat Einsatz findet, auch im Unternehmen genutzt werden kann. Der Mitarbeiter bringt sein privat beschafftes Gerät mit in das Unternehmen und nutzt es dort zur Abarbeitung von Unternehmensaufgaben.

Spricht man über Tablets in Schulen, wird häufig der Begriff BYOD ins Spiel gebracht. Da die Tablets auch von den Schülern privat genutzt werden (könnten), erscheint die Nutzung der Geräte in der Schule, und folglich die Bereitsstellung der Geräte durch die Eltern, als logisch. Die Probleme, die ein BYOD Einsatz mit sich bringt, werden im allgemeinen nicht erwähnt. Da wir hier allerdings mit möglichst weitgefassten Blick auf Tablets in Schulen schauen, sollten auch die Probleme erörtert werden.

Rechte der Eigentümer

Ein BYOD Gerät ist per Definition ein "Privatgerät". Im Rahmen der Schule werden die Geräte im Allgemeinen durch die Eltern beschafft. Die Eltern haben somit alle Rechte an dem Gerät. Was bedeutet das?

Ohne schriftliche Vereinbarung darf die Schule nicht in den Aufbau und die Sicherheit des Gerätes eingreifen. Dies steht bereits im krassen Widerspruch dazu, dass die Schule während der Schulzeit, z.B. den Jugendschutz zu gewährleisten hat. Da Tablet i.d.R unabhängig von dem Ort "Schule" betrieben werden können, nutzt die Installation einer Firewall mit IDS, oder Nutzung eines Filterservers in der Schule, recht wenig. D.H., damit die Schule überhaupt ein BYOD - Gerät anfassen darf, ist eine Vereinbarung nötig.

Zentrale Administrierbarkeit

Eine zentrale Administrierbarkeit ist nicht bei allen auf dem Markt erhältlichen Geräten gegeben. Einige Geräte und Betriebssysteme unterstützten diese nicht, so dass die Schule gezwungen wird, jedes Gerät manuell zu administrieren.

Soziale Gerechtigkeit

BYOD und soziale Gerechtigkeit sind zwei schwer vereinbare Themen. Sozial benachteiligte Kinder werden nie in der Lage sein, im Unterricht Geräte zu nutzen, die auch nur im Entferntesten denen, von Sozial bessergestellten Familien, gleichwertig sind. Dieser Umstand steht aus meiner Sicht in einem starken Gegensatz zu dem im Charta der Grundrechte der Europäischen Union festgeschriebenen Recht auf Bildung. Auch wenn im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland  das Recht auf Bildung nicht explizit formuliert ist, ergibt es sich allerdings implizit, aus den im Grundgesetz festgeschriebenen Grundrechten. So verbietet das Grundprinzip der Menschenwürde, dass einem Menschen der Zugang zu Bildungsmöglichkeiten verwehrt wird und das Verfassungsprinzip der Gleichberechtigung regelt, dass kein Mensch beim Erwerb von Bildung aus irgendwelchen Gründen diskriminiert werden darf.

Die soziale Gerechtigkeit sollte bei der Einführung jedweder Technologien in der Schule den höchsten Stellenwert haben. Ein klassischer BYOD- Ansatz fällt für das Konzept "Tablets an Schulen" daher aus.

Heterogene Umgebung

Die Verfechter eines BYOD-Ansatzes übersehen für gewöhnlich, dass dieser Ansatz zwangsläufig die Folge hat, dass ich in einer Klasse, bestehend aus 25 Schülern, ggf. 25 verschiedende Geräte (mit 25 verschiedenen Softwareständen) vorfinde. Diese Situation könnte für einen Lehrer "unübersichtlich" wirken

Lernmittelfreiheit und BYOD

Davon ausgehend, dass jeder Lehrer erfolgreich ein Studium absolviert hat und eigentlich jeder Aufgabe gewachsen ist, beherrscht er natürlich sofort die unterschiedlichen Systeme. Er kennt sich in den Einstellungen aus, die er manuell zu setzen hat und weiß genau, welche App welcher Schüler braucht, um aktiv am Unterricht teilzunehmen. Im Rahmen seines Studiums hat er bereits zahlreiche UI-Guidlines gelesen und der Umgang mit dynaschischen Oberfächen und Interfaces geben der täglichen Arbeit die notwendigen Spritzigkeiten. Selbst verfügt der Lehrer über mindesten 5 verschiedene Endgeräte auf denen er täglich neue Updates und Versionen ausprobiert, um auch noch die letzte Ungereimtheit aus seinem Unterricht zu entfernen.

Aus der Lernmittelfreiheit ist es der Lehrer ja gewohnt, dass jeder Schüler mit dem Mathebuch seiner Wahl erscheint- egal ob alt order neu, Klett oder Cornelsen, englisch oder häbrähisch - der Lehrer kanns (smile) 

- ach halt so ganz funktioniert es dann doch nicht in dieser Art das Bring your own Device -

Tabletvarianten / Hersteller / Systeme

Um einen Vergleich und eine Bewertung von Tabelts vornehmen zu können, sollte man zunächst einen Blick auf den Weltmarkt werfen und sich mit Herstellern und Tablettypen vertraut machen. Grundsätzlich lassen sich dabei die Tablets nach der Art des zugrundeliegenden Betriebbssystems klassifizieren.

Microsoft Windows

Tablets mit Micosoft Windows basierten Betriebssystem.

  • Microsoft Surface
  • Lenovo Tab
  • Wortmann Schul-Tablet

Google Android

Tablets mit Android als Betriebssystem. Diese sind in unendlicher Vielfalt erhältlich. Einige Hersteller/Modelle sind:

  • Samsung Galaxy Tab
  • Huawai Media Pad
  • Lenovo Tab 4

Apple iOS

Tablets mit iOS gibt es nur von Apple. Beispiele sind hier die verschiedenen iPad-Modelle

  • iPad Air
  • iPad Pro


Alle getesteten Tablets sollten gewissen Mindestanforderungen genügen.

  • Der Bildschirm des Gerätes sollte mindesten 9,5" groß sein.
  • Die Akkulaufzeit im Mischbetrieb muss mindestens 6h betragen.
  • Es muss eine Hülle verfügbar sein, die Stoß und Spritzwasserfest ist.
  • Das Gerät muss über eine Camera verfügen.
  • Das Gerät muss über eine Aufnahmefunktion verfügen.


Legende: (tick) - Voll unterstützt / (error) - nicht unterstützt / (warning) - Zusatzmodul / Software benötigt / (question) - nicht eindeutig bzw. Herstellerabhängig

AnforderungWindowsAndroidiOS
Abwärtskompatibiltät der Geräte(tick)(error)(tick)
Versorgung mit Sicherheitsupdates

(tick)

i.d.R. 6 Jahre

(question)

Je nach Hersteller stark unterschiedlich

Monatliche Sicherheitsupdates (für Nexus, Pixel, Partner, Users)

Android Enterprise Recommended Geräte: 90-Tage Zyklus bis 5 Jahre nach Veröffentlichung des Gerätes

(tick)
Unterstützug von Inklusionsschülern (Sehen)(warning)(warning)(tick)
Unterstützung von Inklusionsschülern (Hören)(warning)(warning)(tick)
Verwaltbarkeit der Geräte (Installation / Deinstallation / Gruppenverwaltung / verlorene Geräte löschen usw.)(tick)(tick)(tick)
Automatisiertes Updatemanagement für alle Pakete

(warning)

nur über 3. Hersteller

(warning)

über 3. Hersteller

mit Android Enterprise ist ein automatisches App Update möglich

(tick)
Kauf von Anwendungen in Klassensätzen + deren Verteilung(tick)

(question)

Seit 2018 mit Android Enterprise kostenfeie Apps möglich, Gruppenkäufe z.Zt. nur in USA und Kanada möglich

(tick)
Kauf von Büchern in Klassensätzen und deren Verteilung(error)(error)(tick)
Gibt es für Apps und Bücher EDU Lizenzen?(tick)(tick)(tick)
Klassensteuerung verfügbar

(error)

(nur auf Windows 7 oder neuer)

(warning)

nicht vollständig, aber in Teilen

(tick)
Lassen sich gekaufte Anwendungen von installierten Geräten entfernen und die Lizenzen zurückziehen und neu Verteilen?

(warning)

mit kostenpflichtigen Zusatztools

(warning)

mit kostenpflichtigen Zusatztools

(tick)

Kostenfrei mit Profilmanager

Programmierbarkeit von Entwicklerboards und Minicomputern (Rasberry Pi / Arduino)(tick)(tick)

(warning)

nur zertifizierte Hardware / keine RAW Entwicklerboards

Zugriff auf die RAW-Daten interner Geräte (WLAN / Gyroskop / LTE-Empfangsmodul) (tick)

(tick)

(error)

nur mit Airport-App und SpezialCodes

Sicherheitsstandard der Geräte

niedrig

  • keine standardmäßige Datenverschlüsselung
  • keine Verschlüsselung für DIM
  • keine separate Datenkontainerverschlüsselung je Software

mittel

  • standardmäßige Datenverschlüsselung ab Android 6.x
  • Verschlüsselung einschaltbar (nativ)
  • Application Sandbox

hoch

  • Geräte voll verschlüsselt
  • jeder Datenkontainer mit separaten Key verschlüsselt
  • voll verschlüsselter Speicher
Lizenzstrategie des Betriebssystems (Folgekosten)kostenpflichtig

herstellerabhängig

meist kostenfrei

kostenfrei
Prüfungssicherheit (Einschränkungen auf Gerät setzen)

(warning)

nur mit kostenpflichtiger Zusatzsoftware

(error)

(tick)

kostenfrei mit Classroom

Kosten für Standardprogramme (Textverarbeitung / Tabellenkalkulation / Präsentationsgestaltung)

kostenpflichtig je Schüler oder Einrichtung

(Microsoft Office Suite)

kostenfrei

(Google-Docs)

kostenfrei

(iWork Suite)

Administrativer Aufwand für Integration in Schulumgebung

(red star)

hoch

(Einrichtung von AD / Schülersoftware / Virenschutz / MDM-System + Paketverwaltung)

kaum Dokumentation dazu vorhanden

(star)

mittel

Einrichtung von Verschlüsselung / Virenscanner / MDM

kaum Dokumentation dazu vorhanden

(green star)

niedrig

MDM vorkonfiguriert / Schoolmanager einrichten / VPP einrichten

keine separate Paketverwaltung

sehr viel Dokumentation dazu vorhanden

Strategie zum Gerätetausch

(question)

unbekannt / nicht vorhanden

(question)

unbekannt / nicht vorhanden

(tick)

vorhanden und etabliert

Administrative Rechte für Eltern

(minus)

keine bekannt

(minus)

keine bekannt

(tick)


Preis je Tablet

(star)

150 Euro - 2000,- Euro

Standard: 290,-

(green star)

69 Euro - 1000 Euro 

Standard: 280,-

(red star)

300 Euro - 1500 Euro

Standard: 320,-

Kosten für die MDM-Lösung
(je Gerät und Jahr)

(red star)

Empirum: 50,-
ACMP: 30,-

(star)

Silverback: 50,-

Sophos Mobile Control:15,-

(green star)

Silverback: 50,-
Sophos Mobile Control:15,-
JAMF: 9,-
ZuluDesk: 5,-

Die Werte in der oben ausgefüllten Tabelle berufen sich auf umfangreiche Recherchen, sowie einen Vor-Ort Gerätetest im Landratsamt Schmalkalden-Meiningen. Hierzu wurden u.a. 120 Android Geräte und 30 iPads an den Schulen des Landkreises verteilt und die Daten bezüglich der o.g. Punkte erhoben. Die Erfahrungen, die in dieser Zeit mit den Systemen gemacht wurden, lassen sich im Groben wie folgt zusammenfassen:

Zusammenfassung
  • Mit Hilfe von guten und preisintensiven Zusatztools lässt sich eine gute MDM-Umgebung schaffen
  • Installationen dann problemlos möglich / Updates auch
  • Problem sind hier volle administrative Rechte der Eltern. Dies lässt sich nicht realisieren.
  • hohe MDM Kosten ca. 15-50 Eur pro Gerät pro Jahr
  • Sehr viele Hardwarekompatibitätsprobleme (Theoretisch geht alles, wenn man einen Treiber findet)
  • Massenrollout von Geräten über Android Zero Touch oder Samsung Knox möglich (aktuell nur beschränkte Geräteauswahl)
  • Installation, Deinstallation und Update von Apps ohne interaktion des Benutzer mit Andorid Enterprise möglich
  • initiale Bestückung der Geräte mit einigen Hindernissen (Wenn Appstore verboten, dann braucht man die apk's - diese kann man aber nicht einfach herunterladen, meist Mailverkehr mit Hersteller für jede einzelne App nötig)
  • Unklare Lizenzierung und Beschaffung von Apps in großen Stückzahlen → Abhilfe könnte Android Enterprise bieten
  • Keine Dokumentation zum Einsatz in Schulumgebungen → Sehr viel Try and Error
  • Update von Systemen ist grauenvoll. Sehr viel Handarbeit an jedem Tablet! Eine Person ist den ganzen Tag am Tippen...
  • Sehr viele Hardwarekompatibilitätsprobleme (Theoretisch geht alles, wenn man einen Treiber findet)
  • Geräte sind sehr leicht zu bestücken und intuitiv zu bedienen
  • Ein Gerätetausch / Garantiefall wird über Apple schnell abgewickelt
  • Die Integration in eine Schule verläuft problemlos, da die MDM - Oberflächen so intuitiv aufgebaut sind, dass sie von Lehrern bedient werden können
  • Sehr niedrige MDM Kosten 5,- Eur im Jahr pro Gerät!
  • Keine Hardwareprobleme, da alles zertifiziert ABER nicht jede Hardware kann angeschlossen werden!
  • keine Unterstützung von Mäusen

Teststellungen und Testumgebungen / Erfahrungen

Da der Landkreis Schmalkalden-Meiningen sich jedoch nicht auf reine Vergleichstabellen mit Vor- und Nachteilen verlassen wollte und sicherlich auch noch zahlreiche Merkmale existieren, die in der oberen Tabelle nicht berückstigt wurden hat sich das Landratsamt für einen ausführlichen Test verschiedener Tabletvarianten entschieden. Zum einen wurden für 5 Schulen insgesamt 120 Tablets angeschafft und mit Hilfe von zwei verschiedenen MDM-Systemem vorbereitet und ausgerollt. Als Tablets wurden für diesen Test Samsung Galaxy Tabs verwendet. Als MDM-Sysetme kamen MAtrix 42 - Silverback und Sophos Mobile Control zum EInsatz.

Der Test bestätigte dabei wiele Punkte der obigen Tabelle. Das erste Rollout der Tablets verlief relativ Problemlos. Doch nachdem die Geräte im Unterricht Ihren EInsatz fanden traten rasch Propleme zu Tage. Folgende Problem konnten nachweislich identifiziert und nur teilweise behoben werden:

  • Multiuser Problem: Mehrere Benutzer arbeiten nacheinander an einem Gerät. Jeder Benutzer kann die Daten von Jedem Benutzer lesen. → Datenschutzproblem
  • Software Problem: Ein verbot des Appstores und eine gleichzeitige zentrale INstallation von Software lässt sich nur relaisieren, wenn man die .apk-Dateien lokal vorhält. Dies zührt zu weiteren Problemen:
    • Kein automatisisertes Patchmanagement / Manuelle Prüfung aund aktualisiserung der lokalen .apk-Dateien
    • Probleme mit der Legalität der Downloads?! → Nicht alle apkDateien können einfach aus dem Google-Sore geladen werden
  • Update-Problem: Beim Update der Apps zeigen alle Tablet simultan einen Login-Screen, der durch Vor-Ort-Personal bedient werden muss
  • Installationsproblem von Wunschsoftware: Keine klare Richtlinie, wie oft man eine Lizenz kaufen muss. / Keine Möglichkeit mehrere Exemplare einer Software zu kaufen und diese auch sinnvoll zu verwalten.
  • Bezahlproblem: Kein Managementsystem, in dem Schulträger / Schulamt / Schule / Eltern und Förderverein simultan und unabhängig voneinander Bestellugen und Käufe auf ein zentrales Konto ausführen können.

Darüber hinaus stellten wir fest, dass die Geräte in der Anschaffung zwar nicht die Preisliste angeführt haben, in der Betreuuung und Updateverwaltung der Geräte schnell aber der 2-5-Fache Anschaffungspreis verschlungen wurde.

Nachdem dieses Tabletszenario nicht wirklich von Erfolg gezeichnet war entschied man sich im Landratsamt Schmalkalden-Meiningen dazu, dass nächste Testszenario in einer kleineren Umgebung durchzuführen. Man entschied sich das zweite Szenario im Bereich des Soziel-Psychatrischen Dienstes sowie im Bereich der Vorkshochschule durchzuführen, da hier insgesamt weniger Geräte notwendig sind. Es wurde diverse Windows-Tablet-Geräte angeschafft (Lenovo / Acer / Microsoft Surface) bzw. von Großhandelspartnern Langzeit-Teststellungen abgefordert.

Wir stellten dabei fest, dass sich die Geräte wie gewohnt über Zusatztools wie Empirum oder ACMP verwalten lassen. Dabei existieren die bereits von der Windowsverwaltung bekannten Probleme (Treiberprobleme / Vorhalten und durchführen des Updatemanagments etc.) Zusammenfassend lässt sich folgendes festestellen:

  • Bedienungsproblem: Die Geräte weisen eine Desktopbedienung auf / Eine intuitive Tabletbedienung liegt nicht vor → Der Abstand zwischen Windows Tablets ud Tablets mit Android oder iOS ist gewaltig. Der Rückstand von Windows sehr groß.
  • Hardwareproblem: Teilweise existieren von einem Tablet (Bspl. Acer) verschiedenen Hardwarerevisionen des Gleichen Tablets (Die Geräte haben die gleiche Bezeichnung + Typ aber unterschiedliche Hardware verbaut). Die Folge ist, dass viele viele Geräte gekauft und getestet werden müssen, bevor man ein zuverlässiges Treiberpaket hat, um alle Geräte zu bestücken.
  • Bezahlproblem: Der Kauf von Bildungsapps ist nicht wirklich intuitiv. Eine Trennung zwischen Bestellabwickler / Anwender und Buchhaltung schwierig herzustellen
  • Garantieproblem: Die Geräte fallen recht schnell aus. Insbesondere sind auch die Hardware-Konfigurationen nicht robust. Kurz nach unserem Test wurde das gleiche auch bei Heise festgestellt. (Siehe: https://www.heise.de/newsticker/meldung/Erhoehte-Ausfallraten-US-Verbraucherschuetzer-warnen-vor-Microsofts-Laptops-und-Tablets-3797535.html)


Nachdem auch dieser Test nich als Erfolg gewertet werden konnte entschied man sich einen Test mit den preisintensiveren iPads durchzuführen. Hierfür wurden zunächst 15 Testgeräte für einen Tabletkoffer in der Volkshochschule beschafft. Mit dem Abschluss des Registrierungsprozesses für DEP und VPP, konnten alle Geräte ungeöffnet ausgerollt werden. Der Einsatz von externen Dienstleistern zur initialen EInrichtung oder zur Aktualisierung der Geräte wurde überflüssig.

Zusammenfassend konnte folgendes festgestellt werden:

  • Unbeaufsichtigtes Rollout geht
  • Installation und Deinsatlltion von Apps ohne Appstore möglich
  • Keine Apple-IDs zur Konfiguration nötig
  • Garantieproblem: Die Geräte haben in Deutschland nur 1 Jahr Ganrantie → Kann aber kostenpflichtig verlängert werden
  • Sehr einfache Update und App-Verwaltung
  • Daten von mehreren Nutzern auf einem iPad (rechtssicher und datenschutzkonform) speicherbar

Fazit

Zahlreiche und ausführliche Testreihen innerhalb von zwei Jahren haben bestätigt, was theoretisch bereits beim Lesen des tabellarischen Herstellervergleichs offensichtlich erscheint. Android Geräte eigenen sich vorzüglich für den Einsatz im Consumerbereich. Für den Einsatz im schulischen Umfeld sind die Geräte jedoch nur bedingt geeignet. Das Fehlen von essentiellen Funktionen im Bereich des automatisiserten Update- und App-Managements führen zu einer absoluten Unwirtschaftlichkeit im schulischen Einsatz.

iPads hingegen haben sich bereits vor dem eigentlichen EInsatz im Unterricht im Bereich des Rollouts und Updates bewährt. Die oben genannten Schwächen der Mitbewerber konnten bei iOS Geräten nicht festegestellt werden. Im Gegenteil - die Ipads wiesen eine intuitive Handhabung und Bedienung auf. Insbesondere die Tatsache, dass neben der technischen Betreuung und Konfiguration der Geräte durch das Amt die Eltern die Möglichkeit haben, die Geräte der Kinder in den Nachmittags- und Abendstunden zu kontrollieren macht das iPad zu einem idealen Lerninstrument. 


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